Simon Schnetzer: Azubis wollen Sinn – nicht weniger leisten
«Die Jungen wollen einfach nicht mehr leisten.» Diesen Satz hören und lesen wir immer wieder. Aber ist er auch wahr? Jugendforscher Simon Schnetzer widerspricht diesem Klischee im Interview mit dem Magazin «Personalwirtschaft» deutlich. Seine Daten zeigen: Die Werte rund um Arbeit sind über die Generationen erstaunlich stabil geblieben. Verändert hat sich das Verständnis der Begriffe. Zuverlässigkeit, Leistung, Belastbarkeit: Eine Lernende und ihre Berufsbildnerin meinen damit oft ganz Unterschiedliches. Dazu kommt ein Umfeld, das sich rasant wandelt. Junge Menschen wachsen mit Dauerbeschallung und ständigem Vergleich auf Social Media auf. Viele spüren das auch psychisch. Und sie haben gelernt, eine eigene Meinung zu haben und mitzugestalten. «Lehrjahre sind keine Herrenjahre» greift da nicht mehr. Was heisst das für Ihre Institution? Erklären Sie, warum eine Aufgabe wichtig ist. Im Sozial- und Gesundheitswesen haben Sie hier einen echten Vorteil, denn der Sinn Ihrer Arbeit liegt auf der Hand. Sprechen Sie ihn aus. Geben Sie häufiger Feedback. Kurz und regelmässig im Alltag, nicht erst im Semestergespräch. Und schaffen Sie klare Kommunikationsregeln, damit sich Lernende während der Arbeit auf die Arbeit konzentrieren können. Schnetzer kennt Betriebe, die von ihren jungen Mitarbeitenden begeistert sind. Der Unterschied liegt selten bei den Jungen, sondern bei der Kultur und den Menschen, die sie begleiten.
